Auf den geheimen Spuren von Gräfin Loretta an der Nahe

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Heute laufe ich ein Traumpfädchen an der Nahe.

Der mit dem Namen ‚Gräfin Loretta’ benannte Rundweg liegt in der Nähe von Idar-Oberstein, genau genommen in Frauenberg. Von hier aus soll es ca.: 12 km auf dem Höhenzug oberhalb der Nahe Richtung Idar-Oberstein gehen und dann an der Nahe wieder zurück.

Es erwarten mich eine Burg, einige Pfade und Täler, schöne Fernblicke sowie das Überqueren der Nahe.

Ich starte meinen Rundgang am Wanderparkplatz an der Bahnhofstraße in Frauenberg. Hier kann man wunderbar sein Fahrzeug abstellen und entspannt den Wanderweg genießen. Am Parkplatz selbst ist ein kleines Informationszentrum mit ausreichend aufgefüllten Broschüren über die Traumschleife,.

Von hier aus gehe ich gegen die Fahrrichtung zum Einstieg in den Rundweg. Dieser befindet sich nach dem Haus rechts, hier gehe ich den Wirtschaftsweg hinauf und nach wenigen Metern sieht man schon die massiven Brücken der Schnellstraße, die das Täler überspannt.

Man unterquert diese imposanten Bauwerke und sieht schon am Berg die Burg liegen. Der Eingang ist sehr nett gemacht, mit einem Eingangsportal und einer Brücke, der schmale Waldsteig schlängelt sich zur Burg hinauf und man wird durch die Burg auf der Traumschleife geführt.

Die Burg selbst ist in fantastischen Zustand sehr gepflegt und sieht wirklich toll aus. Wie ein Jugendlicher tänzeln ich die Treppenstufen im Inneren der Burg herunter, bis ich umknicken und schlagartig wieder geerdet bin. Meine Bänder ziehen, aber es ist nichts durch. Kann ich weiterlaufen? Ich gehe vorsichtig, belaste normal und merke, dass meine Bänder ein wenig dumpf schmerzen, dennoch haben meine Schuhe (Ausnahmsweise mal Werbung für echt gute Schuhe) das Schlimmste verhindert.

Vorsichtig gehe ich weiter. Von hier aus geht es dann weiter über den Waldweg oberhalb des Baches bis man den Bach kreuzt. Hier startet die erste steile Etappe. Nachdem man das steile Stück parallel zu einem künstlichen Bachlauf oder besser Bachstufen passiert hat, kommt man auf eine Straße, die man überquert.

Diese Straße besteht noch aus Betonplatten so wie es zu Zeiten des zweiten Weltkriegs gebaut wurde. Verwunderlich, was hier oben als militärische Straße angelegt wurde. Dies gilt es für mich zu recherchieren. Ich merke, dass mein rechter Fuss immer noch dumpf drückt. Dennoch lasse ich mich nicht beirren und wandere weiter. Man kommt zu einem Aussichtspunkt mit einer Liege, von der aus man wunderbar die Burg von oben sehen kann.

Der Weg schlängelt sich hier sehr moderat nach oben, man kann wunderbar verschnaufen denn die erste Anstieg parallel zum Bachlauf war teilweise schon etwas steiler. Wenige Meter weiter folgt der sogenannte Burgblick, von hier hat man sowohl ein Blick auf die Burg als auch auf der gegenüberliegenden Seite auf den Ort Frauenberg.

Man steigt durch das Tor nun weiter auf den Berg kam, und läuft hier oben oberhalb der Schnellstraße entlang. Nach wenigen steilen Metern hat man den Peak erreicht, so meint man. Hier steht man auf dem Nahekopf. Hier oben befand sich im ersten Jahrhundert vor Christi eine keltische Befestigungsanlage mit circa 300 × 300 m.
Sie ist eine Epoche der jüngeren römischen Eisenzeit, in weiten Teilen Mittel Europas die so genannte La-Tène-Kultur geht vor allem aufgrund antiker Textquellen als ‚keltisch’. Teile der gewaltigen Ringmauer, die wahrscheinlich Lage des Tores und des Siedlungsspuren waren, wurden erst 2008 archäologische erfasst.

Nach wenigen weiteren Metern Aufstieg kommt man an einem Aussichtspunkt vorbei mit einer kleinen Bank und kurz darauf befindet sich der Aussichtspunkt Wilde Ley. Hier steht man sagenhaft auf römischen Ruinen, Sie sind stellenweise an der Hangkante zum Vorschein gekommen und stellen den Teil der Befestigung des Nahekopfes zu römischer Zeit dar. Weitere Überreste der keltischen Befestigungen warten hier noch auf die archäologische Erforschung.

Nur im Bereich der Toranlage und angrenzend davon wurden Mauerzüge aufgedeckt. Vermutlich handelt es sich bei der Siedlung auf dem Nahekopf um ein keltisches Castellum, welches von den von Cäsar-eingesetzten, regionalen Fürsten behaust wurde. Meist hatten diese Castellums eine Sichtverbindung zu anderen Sicherungsanlagen. Hier von der Wilden Ley gibt es die Sichtverbindung zur Wildenburg.

Folgt man den Wanderweg weiter kommt man auf das beschriebene Hochplateau mit einer neugebauten Hütte und Tischen, wo man wunderbar Pause machen kann. Ich inspiziere noch einmal meinen Fuss, denn durch den Aufstieg sind die Schmerzen weggegangen. Dann scheint es ja nicht so schlimm gewesen zu sein. Puh, Glück gehabt.

Hier steht auch eine Allee, die Kaiserallee, von den berühmtesten Kaisern, die zur Zeit der Besiedlung auf dem Nahekopf reagiert haben. Die Kaiser sind auf den platzierten Stehlen zu sehen. ich gehe die Kaisergarde ab und mache den Rundweg zu Ende und komme unterlhalb der Holzhütte wieder auf dem Hochplateau raus.

IMG_5677Das Hochplateau ist wirklich sehr liebevoll angelegt, die Kaiserallee ist hervorragend eingebettet in den Weg. Hier muss man den Organisatoren einmal einen absoluten Glückwunsch aussprechen.

Das war tolle Arbeit, ein schönes Erlebnis hier oben, und es lässt zudem die Situation, was sich hier in der Vergangenheit abspielte, sehr schön darstellen. Dieses Hochplateau wird dadurch viel besser greifbar.

IMG_5692Von diesem Plateau geht es dann durch den Ausgang des Castellums hinunter zu der Heidenquelle. Diese Quelle wurde wohl zu Zeiten der Siedlungen auch als Wasserquelle verwendet.Ich folge dem Weg weiter und komme auf eine Bacheüberquerung, an der man auch Rast machen kann.

Scheinbar ist hier ein militärischer Sicherheitsbereich, was die anfänglichen Betonplatten auf dem Zuweg erklärt. Ich gehe weiter an der Hütte vorbei und steige nach oben auf dem Nahehöhenweg hinauf.

Nach einigen Metern biegt der Pfad nach rechts ab und ich muss grinsen, denn hier wird er ‚der Pfad der Trolle’ benannt. Ich bin gespannt was auf mich wartet, ähnliches habe ich schon seitlich des Rheins in Bingen gesehen, wo in Holzblöcke als kleine Trolle geschnitzt worden sind.

Der Pfad der Trolle ist wirklich sehr lustig, es gab einen Steintroll, ein Holztroll, ein Pilztroll, und zuletzt ein Donnertroll, der allerdings unsichtbar war. Hier bewahrheitet sich auch das der militärischer Sicherheitsbereich der Truppenübungsplatz ‚Baumholder’ ist. Der hier oberhalb der Nahe eingerichtet wurde.

Nachdem man über den Pfad der Trolle auf den Berg gegangen ist, findet sich hier auch einen wunderbaren Aussichtsplattform wo man auf den gegenüberliegenden Sonnenberg schauen kann. Auch hier lädt es zur Rast ein, denn die Sonne scheint toll auf dem Rastplatz. Der Name des Rastplatz es ist übrigens Dirk’s Ruh. Daher mache ich hier eine kleine Verschnaufpause, trike etwas, esse eine Kleinigkeit und sonne mich in der Mittagssonne. Vogel jagen sich über mir – oder sehen sie in mir gar Ihr Fresschen ? ☺

Nach dem Rastplatz Dirk’s Ruh geht es bergab bis man rechts in den ‚Pfad der Jäger’ abbiegt. Warum dieser so heißt hat sich mir leider nicht erschlossen, ich habe weder ein Jäger noch irgendwas für die Jagd dort entdecken können. Dieser Pfad geht hinter ein paar Einfamilienhäusern ins Tal, wo man rechts abbiegt und über breite Waldwege gemütlich wieder in ein weiteres Tal hinauf läuft.

An einem Freitag ist hier überhaupt nichts los, ich habe den ganzen Weg schon niemanden gesehen, außer eine kleine Familie auf der Burg. Hier ist reine Natur man hört den Bach rauschen, die Vögel zwitschern. So gut wie kein Mensch weit und breit. Am Ende des Tals macht der Weg kehrt und man geht etwas unterhalb des Weges wieder aus dem Tal zurück und begleitet den Bach, der sich auch aus dem Tal heraus schlängelt. Ein Wanderer kommt mir entgegen. Ich bin völlig perplex, da ich damit nicht gerechnet habe … Das Gehen hier auf den Wegen ist sehr einfach, da die Waldunterlage sehr weich ist. Das tut den Gelenken sehr gut. Im Tal überquert man den Karlsgraben,

einen kleinen Bach, und geht dann weiter den Berg hinunter parallel zum Bach bis man rechts den ‚Pfad des Wilderers’ hinauf geht.

Am Ende des Pfades der Wilderer befindet sich eine Rasthütte, ganz klassisch mit einem Stein der zum schwenken einlädt. Schwenken ist hier in der Region um Idar-Oberstein das Grillen. Man grillt meistens Schweinefleisch. Das Schwenken ist hier ein Ritual einer jeden Familie, jeder besitzt fast einen Schwenkgrill. Ein Rezept zu einem original Idar-Obersteiner Schwenkbraten findet Ihr beim Grillverein hier: https://www.grillsportverein.de/grillrezepte/rezept/Original-Idar-Obersteiner-Schwenkbraten

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Nachdem ich nun einige 100m durch den Wald gelaufen bin, kommt ich in einem Wohngebiet heraus, durch das man kurz durchläuft und dann scharf links abbiegt.

Auf dem Berg angekommen findet man den Verschönerungsverein Hammerstein, ein Klubgebäude das direkt auf die andere Seite des Tales blickt. Links von dem Klubgebäude findet man eine Bank auf einem Vorsprung wo man einen wunderschönen Ausblick über das Tal und die andere Seite hat. Ich werde hier nochmals ein Moment rasten, etwas trinken und mich dann auf die andere Seite aufmachen.

Vom Vereinsheim geht es Richtung Idar-Oberstein zu dem Aussichtspunkt Nahe Panorama. Von hier aus geht dann ein Steig zurück unterhalb des Vereinsheims von Hammerstein nach unten ins Tal, wie ich es erwartet habe.

Der Steig ist schön angelegt, schlängelt sich nach unten, bis man auf der Höhe der Bundesstrasse ankommt. Im Tal angekommen staune ich nicht schlecht, der Weg führt unterhalb der Bundesstraße entlang und führt mich dann später auf dem ‚Pfad der Nahenixen’ an der Nahe entlang.

Ich gehe nun an der Nahe entlang Fluss aufwärts bis zu einer Brücke, wo ich die Nahe überquere. Es ist schon beeindruckend wie reissend so ein kleiner Bach werden kann. Ich würde es schon Flüsschen nennen.

Auf der anderen Seite gehe ich parallel den Weg wieder zurück Nahe-abwärts. Hier fällt mir auf dass die Gräser in Fluss Richtung gebogen sind, was mir den Schluss zulässt, dass die Nahe hier dermaßen über die Ufer getreten ist, dass die Gräser in die Fluss Richtung abgebogen wurden. IMG_5741

Von einem kleinen Fluss von vielleicht gerade mal 15 m Breite schien die Nahe auf circa 60 m Breite angewachsen gewesen zu sein. Sehr beeindruckend zu sehen, zu dem Zeitpunkt hätte ich hier nicht wandern wollen ☺

Nun gilt es natürlich noch sicher über die Bahngleise zu kommen, daher laufe ich wieder Fluss abwärts, um durch die Bahnbrücke zu laufen und dahinter bergauf oberhalb der Bahnschiene wieder Richtung Frauenberg zurück zu wandern. An einer Kreuzung sieht man wie viele Wanderwege hier zusammen treffen, hier scheint es wandertechnisch sehr gut erschlossen zu sein.

Nach einigen 100 m parallel zu der Nahe, beziehungsweise zu der Nahe Talbahn, geht es links runter in ein Tal zur durch die Teufelspforte. Man befindet sich hier im Teufelsgraben einer der natürlichen kleinen Gräben und Schluchten die in der Gemarkung Oberbrombach und Sonnenberg-Winnenberg besteht. Angeblich verschwanden hier schon Tiere und Hexen sollen ihr Spiel hier getrieben haben, so eine Sage.

Nach einem schönen Aussichtspunkt WeiberLey, geht es weiter schnurstracks an der Nahe entlang. Dieses Mal ein kleines bisschen bergab, so dass ich auf die Höhe der Bahnschienen laufe. Nicht so dolle, aber ok.

Kurz danach komme ich an eine Unterführung und gehe durch die Bahnschienen hindurch wieder auf einem geteerten Weg der direkt an der Nahe entlang geht.

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Tipp: ich vermute man geht am besten hinter der Brücke direkt links auf dem Nahe-Radweg. und wird genau an der Nahe eben auf diesem Weg wieder herauskommen. Daher ist der Umweg durch die Eisenbahnbrücke vermeidbar, da unspektakulär und unnötig. Hier kann man Zeit und Kilometer sparen. Der Weg an der Nahe wird ohnehin schöner sein.

Der Steig folgt jetzt dem asphaltierten Weg parallel zur Nahe, biegt noch einmal rechts ab um etwas höher über ein kleinen Steig weiter geführt zu werden. Ich vermute den Startpunkt bereits hinter der nächsten Biegung, denn ich habe bereits die Frauenburg gesehen. Der Rückweg war insgesamt eher unspektakulär, der Hinweg wunderschön. Meine Empfehlung ist daher ab der Brücke über den Nahe-Radweg einfach links zu gehen um dann parallel zu Nahe auf den Weg (asphaltiert) den Rückweg anzutreten.

Auf den letzten Metern macht der Steig tatsächlich auch noch ein paar Windungen durch Matsch, so dass kurz vor Ende meine Schuhe auch noch einmal in tiefschwarzen Matsch getunkt sind. Ein Grund mehr den Weg an der Nahe zu nehmen ☺

So, und wer sich jetzt fragt woher dieses Traumpfädchen seinen Namen Gräfin Loretta hat, hier kommt die Auflösung:

Die Frauenburg, deren Renovierung 2015 abgeschlossen wurde, war einst Sitz der Gräfin Loretta, die dem Weg ihren Namen gibt. Aber wer war diese Loretta? Loretta von Sponheim war eine toughe Frau. Im Mittelalter – Frauen hatten damals ja nicht allzuviel zu melden – bot sie den testosterongesteuerten Herrlichkeiten ordentlich Paroli. Um ihre Ziele zu erreichen, ließ sie sogar den Kurfürsten aus Trier gefangen nehmen, einen der mächtigsten Männer seiner Zeit. Der Kurfürst zeterte, der Papst drohte mit Exkommunikation, aber am Ende setzte Loretta ihre politischen Forderungen durch und erhielt auch noch ein ordentliches Lösegeld. Und dann kümmerte sich sogar der Kurfürst noch darum, dass der Papst wieder besänftigt wurde. Diplomatisches Geschick und Durchsetzungswille in Reinkultur. Gräfin Loretta, so die Legende, baute vom kurfürstlichen Lösegeld eine Burg an der Nahe, die Frauenburg und hier verbrachte sie ihre alten Tage.

Hier jetzt noch die Rahmen Daten der Tour:

Ich lief 13,6 km und brauchte dafür 3 Stunden und 16 Minuten. Die Navigationsdatei findet Ihr hier, wenn auch der Weg so gut ausgeschildert ist, dass man diese nicht benötigt.

Die Tour gilt als mittel schwer, denn es gibt tatsächlich einige steile Aufstiege die mir heute auch tatsächlich die Konditionen haben. Der Rückweg wie gesagt ist sehr einfach, aber auch unspektakulär. Die Pfade mit den verschiedenen Mottos, bieten Kindern neben der Burg und den Steigen ein paar spannende Momente.

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